Joe Fassler – Light The Dark

In diesem Buch versammelt der Herausgeber Joe Fassler Texte anderer AutorInnen, die im Rahmen einer Serie der Webseite The Atlantic entstanden sind. Jede Autorin, jeder Autor hat die Aufgabe, ein persönlich wichtiges Stück Literatur auszuwählen und dann zu erklären, warum es wichtig ist und was es bedeutet. Dabei entwickeln sich sehr tiefgründige Blickwinkel auf das Erleben von kreativen Prozessen, aber auch auf persönliche Erfahrungen, die zum Schreiben inspirieren oder das Schreiben zur Notwendigkeit machen.

We fear, we’ll be misunderstood–and, at times, we surely will be. The most powerful human emotions are terribly difficult to explain in a way that doesn’t finish them, or that doesn’t make you look slightly ridiculous in the telling. How easy to safeguard them then, and keep things close, rather than risk looking foolish or being misheard.

Aufgrund aktueller Ereignisse haben mich viele Passagen persönlich berührt, die sich mit dem Erleben von Emotionen und Kommunikation darüber befassen. Selbst jene Menschen, die uns am nächsten stehen, können niemals genau wissen, was wir empfinden. Selbst wenn wir das Risiko eingehen, uns öffnen und unsere inneren Ängste ans Licht zerren, um sie zu erklären, können wir nur hoffen, von unserem Gegenüber zumindest teilweise verstanden zu werden. Dieser Verstehensprozess unterliegt außerdem einer ständigen Veränderung. Selbst wenn wir annehmen, in einem Moment tatsächlich ein gemeinsames Empfinden hergestellt zu haben, kann dies im nächsten Moment bereits wieder vorbei sein. Verständnis hat damit wie Glück einen flüchtigen Charakter.

Experiencing intense feeling, and at the same time processing those voices shaming you for having too much feeling–both are part of the experience of the poem, and they don’t necessarily detract from each other.

Starke Emotionen sind oft schwierig zu verarbeiten. Selbst wenn wir uns bewusst sind, dass es schwierige Situationen geben wird, in denen wir nicht sofort wissen werden, wie wir reagieren können, selbst wenn wir uns darauf vorbereiten, sogar dann entstehen Momente, in denen uns vollkommen die Worte fehlen. Diese Emotionen sind unerwünscht, wir wollen die Kontrolle behalten, über uns selbst und über die Situation.

Part of it is the constant destruction and construction of the self. The texts aren’t changing, but we are–and I think that changing lens is the thing that I’m alive in.

In meinen Augen ist Schreiben ein kreativer Prozess im Sinne von Kommunikation: Gedanken in Worte fassen, damit sie von anderen aufgenommen, verstanden und verarbeitet werden können. Die Auseinandersetzung mit den Gedanken und Emotionen anderer Menschen führt dazu, dass wir Perspektiven einnehmen können, die über unsere eigene Lebenswelt hinausgehen. Das menschliche Selbst ist keine abgeschlossene Einheit, sondern ständig mit seiner Umwelt im Austausch begriffen. Wir können uns gegenüber diesen Einflüssen verschließen oder sie willkommen heißen und als Gelegenheiten zum Lernen betrachten.

And there is no way to restore what’s lost, sometimes, other than through dreams and imagination.

Jeder gelebte Moment ist im Prinzip für immer verloren. Außer wir erinnern uns daran und können diese Erinnerung durch unsere Vorstellungskraft am Leben erhalten.

Aus persönlichem Interesse habe ich mir angeschaut, wo meine gelesenen Bücher im Jahr 2018 her gekommen sind. Den größten Anteil daran (mehr als die Hälfte!) hält die Overdrive eLibrary der Büchereien Wien. Das bedeutet in weiterer Folge, dass ich dieses Jahr auch den Großteil der Bücher auf englisch gelesen habe. Gekauft habe ich dieses Jahr nur noch wenige Bücher, den Großteil davon wiederum in meiner lokalen Bücherei. Die Gesamtanzahl der gelesenen Bücher ist ähnlich wie im Vorjahr und damit etwas geringer als in den Jahren bevor ich mein Fernstudium angefangen habe. Dieses ist im aktuellen Semester noch etwas textlastiger geworden, ich bin bereits gespannt, wie sich das im Jahr 2019 auswirken wird.

Denis Thériault – The Peculiar Life of a Lonely Postman

And at that moment, for the first time in his life, really the very first time, he felt loneliness swooping down on him. It was like a huge wave submerging him, sending him down to the very depths of himself, driving him into the darkest reaches of the ocean depths, where an irresistible maelstrom swept him towards a monstrous, gaping chasm, a gigantic sewer grate, while he groped for something to cling to, anguished to the corner of his soul.

Der Postbeamte Bilodo hat ein seltsames Hobby: die wenigen privaten Briefe, die er in seinem Beruf zu verteilen hat (neben Rechnungen, Geschäftskorrespondenz und Werbung), nimmt er mit nach Hause, öffnet und kopiert sie, bevor er sie zustellt. Damit nimmt er an dem Leben anderer teil. Schon zu diesem Zeitpunkt wird klar, wie einsam sein eigenes Leben ist. Zum Verhängnis wird ihm schließlich eine Frau namens Ségolène, die eine spezielle Brieffreundschaft mit einem Mann namens Grandpré pflegt, der in Bilodos Nachbarschaft wohnt.

Die Briefe bestehen ausschließlich aus Versen und nach einiger Recherche findet Bilodo heraus, dass es sich um Haikus nach japanischer Tradition handelt. Granpré wird überraschend Opfer eines Autounfalls … und Bilodo kann den Gedanken, Ségolènes Briefe zu verlieren, nicht ertragen und versucht, die Identität des Toten anzunehmen, um die Brieffreundschaft aufrecht zu erhalten.

Natürlich kann diese Geschichte kein gutes Ende finden, und doch kommt das Ende überraschend, obwohl gut vorbereitet daher. Dass Bilodo das Briefgeheimnis verletzt, erscheint dem Leser zuerst nicht weiter schlimm, er stellt die Briefe einen Tag später zu und scheinbar beeinträchtigt dies die Empfänger nicht. Erst Stück für Stück wird klar, wie instabil seine Persönlichkeit ist, seine Handlungen werden Seite um Seite irrationaler und man möchte ihm zurufen, er möge zur Vernunft kommen. Doch die Geschichte findet ihr unvermeidliches Ende. Und einen neuen Anfang.