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Krimi Roman

Christian Schleifer – Perchtoldsdorfer Todesrausch

CN: Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexuelle Handlungen, Prostitution, homophobe und sexistische Äußerungen, Vergiftung, Mord


Uff, ach, was soll ich sagen. Mir schwirrte ja schon bei meinem ersten Charlotte-Nöhrer-Krimi die Frage im Kopf herum, ob die immer wieder angedeutete Vorgeschichte in Schladming wohl in einer anderen Reihe von Lokalkrimis existieren würde. Stellt sich raus: ja und nein. In diesem Buch erzählt der Autor genau diese Vorgeschichte: was ist damals in Schladming passiert, bevor Charlotte aufs Weingut ihrer Familie nach Perchtoldsdorf zurückgezogen ist und wie hat Charlotte ihre Lebensgefährtin Andrea kennen gelernt. Im Nachwort löst der Autor außerdem auf:

Das ist der erste Charlotte-Nöhrer-Krimi, den ich geschrieben habe. Der allererste. Vor mehr als zwanzig Jahren, nachdem ich zum ersten Mal in Schladming Skifahren war.

Und ich muss leider sagen: das zeigt sich deutlich. Der Kriminalfall ist originell, aber alles drumherum wirkt nicht ausreichend durchdacht bis schlicht und einfach unglaubwürdig. Ein gesprächiger Kellner, der sich von einer hübschen Frau zum Ausplaudern von Geheimnissen überreden lässt, mag ja noch angehen. Dass die Charlotte aber überhaupt ins Puff reingelassen wird, um mit ebendiesem vielbeschäftigten Kellner einen Schwatz zu halten und zufällig einem Mord beizuwohnen, war mir einfach zu weit hergeholt. Der Gipfel dann: Charlotte und Andrea gehen – ohne irgendwem Bescheid zu sagen – zur Mordverdächtigen nach Hause und lassen sich von ihr Kaffee servieren, wo sie doch wissen, dass diese freigiebig K.O.-Tropfen verteilt.

Die Perchtoldsdorf-Krimis von Christian Schleifer fand ich bisher ganz unterhaltsam, diese Vorgeschichte leider unterdurchschnittlich.


Diese Woche haben wir es endlich in die Eisenbahn-Ausstellung Im Bann der Bahn. 200 Jahre Eisenbahn im Technischen Museum Wien geschafft. Wir verbrachten etwa 1,5 Stunden damit, uns die Eisenbahnmodelle unterschiedlicher Größen und die Exponate aus 200 Jahren Eisenbahnwesen anzuschauen.

Modell eines Eisenbahnwaggons, der zum Bier-Transport benutzt wurde, der linke Teil der Verkleidung ist offen, dahinter sind stabiliserende Holzbalken und Bierfässer zu sehen

Zwischen Weichen, Kupplungen und anderen Bahn-relevanten Ausstellungstücken wurden auch viele Informationen aufbereitet. Von der Pferde-Eisenbahn, über Dampf und Diesel bis zur heute vorherrschenden elektrischen Versorgung wird die Geschichte der Eisenbahn nachgezeichnet. Bei den jüngeren Besucher:innen (und uns …) sorgte eine Modellbahnanlage im Maßstab N für Begeisterung. Die Anlage wurde vom Verband Österreichischer Modell-Eisenbahn-Clubs (VOEMEC) gestaltet und ist am Wochenende und an Feiertagen in Betrieb. Mich freute besonders die Nachbildung von inzwischen still gelegten Bahnhofsanlagen im Niederösterreich wie Groß-Siegharts und Bad Pirawarth.

Modell des Bahnhofsgebäudes in Gross-Siegharts, neben dem Gebäude drei Gleise mit Schotterbahnsteigen und verteilten Personen darauf, vor dem Bahnhofsgebäude steht ein Autobus

Auch die eine oder andere Kuriosität findet sich in der Ausstellung, wie etwa eine Erste-Hilfe-Kiste für Eisenbahn-Unfälle. Diese enthielt laut dem mit Schreibmaschine getippten Inhaltsverzeichnis unter anderem: „1 Pkg. Speisesoda 150g, zur Verabfolgung an nicht Bewusstlose bei Hochspannungsunfällen (siehe Gebrauchsanweisung)“. Eine schnelle Internet-Recherche ergab nur, dass diese Behandlung wohl heutzutage nicht mehr angewandt wird.

Überblick in der Eisenbahnausstellung mit Modellen im Vorder- und Hintergrund und an einer zentralen Säule ein Signal mit der Aufschrift „Halt für Verschubfahrten“

Nach einer Kaffeepause nutzten wir noch den Rest der Öffnungszeit aus, um durch die Ausstellung Materialwelten zu spazieren, leider war ich da nicht mehr besonders aufnahmefähig. Themeninseln mit verschiedensten Produkten beschäftigen sich mit den Materialien, die unseren Alltag bestimmen. Da liegt etwa ein iPhone neben einem Muster-Reisepass und ein Cochlea-Implantat neben einem Game Boy. In allen diesen Produkten wird Silizium verarbeitet, das essentiell für die Herstellung von Computerchips ist. (Der Reisepass enthält einen RFID-Chip.)

Überblick zur Ausstellung Materialwelten mit dem Titel von der Decke hängend, zentral im Vordergrund ein aufgeschnittener Baumstamm, der die Verarbeitung in einzelne Holzbalken verschiedener Größe veranschaulicht

Ein paar Schlaglichter:

  • In einem runden Schaukasten findet sich die Google Glass Brille direkt neben dem Buch Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus von Shoshana Zuboff.
  • Das Periodensystem der Elemente ist in einem großen Schaukasten abgebildet, ich habe ein Detailfoto des Elements Neodymium (60 Nd) gemacht, ein bläuliches Pulver in einem Flakon.
  • Gleich an zwei Stellen habe ich bewachsene Seekabel aus der Adria entdeckt – Muscheln, Korallen und andere Meereslebewesen haben sich an diesen Kabeln angesiedelt.
  • Ein großer Schaukasten zeigt den Anstieg der Kunststoffproduktion anhand verschiedener Produkte, die daraus gefertigt werden. Zu erkennen sind etwa eine Billardkugel, eine Schallplatte und ein 3D-gedruckter Buddha mit Kopf von The Rock (wie ich vom Mitcacher erfuhr, ist das ein Meme in der 3D-Druck-Welt).
Glaskasten mit Kunststoffprodukten in verschiedenen Farben auf Säulen, diese veranschaulichen den weltweiten Anstieg der Kunststoffproduktion im Zeitverlauf

Die Eisenbahn-Ausstellung war interessant, hat mich aber nicht besonders beeindruckt. Für die Materialwelten hätte ich gerne mehr Zeit und Aufmerksamkeit gehabt; und auch die anderen aktuellen Themenausstellungen zu Wissenschaft im Wandel und Kreislaufwirtschaft klingen interessant. Der Kaffee im Museumscafé schmeckte leider etwas verbrannt. Das Technische Museum ist aber in jedem Fall einen Besuch wert.