CN: sexuelle Handlungen, Gewalt, Tod, Krieg
‘ All you can do, Rosemary – all any of us can do – is work to be something positive instead. That is a choice that every sapient must make every day of their life. The universe is what we make of it. It’s up to you to decide what part you will play. […]’
Letztens hat Anya auf Mastodon nach Literaturempfehlungen gefragt und als Beispiel für ihr bevorzugtes Genre Hopepunk die Autorin Becky Chambers genannt. Tatsächlich zufällig hatte ich gerade Zugriff auf eines ihrer Bücher und habe mich ziemlich spontan in das Genre verliebt.
Works in the hopepunk subgenre are about characters fighting for positive change, radical kindness, and communal responses to challenges. (Wikipedia)
Die im oberen Zitat erwähnte Rosemary kommt als clerk auf das Raumschiff Wayfarer, auf dem sie eine diverse Crew vorfindet. Sie soll die Buchhaltung, Genehmigungen und alles andere Administrative auf Vordermann bringen, um der Wayfarer den Weg zu größeren Aufträgen zu ebnen. Der erste dieser größeren Aufträge führt die Wayfarer zu dem wütenden Planeten aus dem Titel (wobei eigentlich nicht der Planet wütend ist sondern die darum kämpfenden Clans). Wie in dem bekannten Sprichwort ist in diesem Roman tatsächlich der Weg das Ziel. Manche würden vermutlich sagen: wenig Plot, viel World- und Character-Building.
Um Konzepte wie Rassismus, Religion, Geschlechts- und sexuelle Identität niederschwellig zu thematisieren, erfindet die Autorin verschiedene Spezies, die allesamt als sapient gelten. Was, wie ich gerade nachschlage, vom lateinischen sapiens (“one who knows”) abgeleitet sein dürfte. Ein wichtiger Teil des Raumschiffs ist die künstliche Intelligenz Lovelace (Lovey genannt), die zwar als sentient (from Latin sentiēns “feeling, perceiving”) aber eben nicht sapient betrachtet wird. Die Liebesbeziehung zwischen dieser künstlichen Intelligenz und einem ihrer Techniker wirft Fragen auf (etwa nach der Definition von Persönlichkeit oder dem Wesen der Liebe), die zum eigenen Denken anregen und großteils unbeantwortet bleiben. Lovey wird jedenfalls von allen Crew-Mitgliedern als Persönlichkeit betrachtet, obwohl sie als künstliche Intelligenz nie für eine humanoide Form gedacht war. Der Tod – oder vielleicht besser: die Auslöschung – dieser künstlichen Intelligenz ist dann auch der große Verlust, den die Protagonist:innen zu verarbeiten haben.
Mich haben die (großteils) menschlich zugewandten, toleranten, akzeptierenden Umgangsformen auf dem Raumschiff in eine wohlige Stimmung versetzt, die ich zum ersten Mal in Wenn es nicht passiert erlebt habe. Als mir nicht ganz zwei Wochen später bei einem Ausflug in eine Zweigstellen-Bücherei das zweite Buch aus der Wayfarer-Welt in die Hände fiel, konnte ich nicht widerstehen. Ein weiterer Aufenthalt auf einer Insel, wo gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz herrscht, klingt gerade sehr verlockend.