Jennifer Zeynab Joukhadar – The Map of Salt and Stars

She said to her daughter, “Every place you go becomes a part of you.” – ” But none more so than home.” Rawiya meant this more than anything else she’d said.

Zwei miteinander verwobene Geschichten werden in diesem Buch erzählt. Beide beschäftigen sich mit dem Verlauf einer Reise und trotzdem hat dieses Buch nichts von einem Roadmovie an sich. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mädchens Nour. Nour ist in New York geboren und aufgewachsen, nach dem Tod ihres Vaters kehrt die Familie in ihre Heimat (?) Syrien zurück und lebt in Homs, bis das Haus von einer Bombe getroffen wird. Nour muss mit ihrer Mutter, ihrem Onkel und ihren beiden Schwestern fliehen. Auf der Flucht wird die Familie getrennt und Nour zweifelt immer mehr daran, ob es für sie jemals wieder ein sicheres Zuhause geben wird.

“No one is like everybody else.“ Abu Sayeed taps the tips of his fingers to the railing. “All the stars are different, but when you look up, you see them just the same.”

Parallel wird die Geschichte des Mädchens Rawiya erzählt, die sich im 12. Jahrhundert als Mann ausgibt, um in die Dienste des Kartenmachers al-Idrisi zu treten. Nour hat Rawiyas Geschichte von ihrem Vater erzählt bekommen und hält damit die Erinnerung an ihn wach. Rawiya beweist in unzähligen Situationen ihren Mut und rettet die Expedition sowieso das Werk des Kartenmachers al-Idrisi mehr als einmal. Sie lässt sich durch nichts aufhalten und gibt nicht auf – und findet schließlich den Weg zurück zu ihrer Familie.

The farther I go, the bigger the world seems to be, and it always seems easier to leave a place than it is to come back.

Der Titel lässt eine gewisse Romantik vermuten, viele Teile der beschriebenen Flucht von Syrien bis nach Spanien sind jedoch das absolute Gegenteil. Da es sich hier um einen Roman handelt, der aus der Sicht eines Kindes erzählt wird, können wir davon ausgehen, dass die Realität der Kriegsflüchtlinge noch viel schlimmer ist, als hier beschrieben.

Es macht mich sprachlos, dass so viele Politiker nach wie vor ruhig schlafen, während täglich Menschen im Mittelmeer ertrinken, Rettungsschiffe am Auslaufen gehindert und freiwillige Helfer kriminalisiert werden. Noch immer lässt mich der Gedanke nicht los an die entfernte Bekannte, die ich nach einem Segelurlaub im Mittelmeer im Gespräch mit anderen habe erzählen hören, sie habe sich Sorgen gemacht, sie könnten auf Flüchtlingsboote treffen, denn dann müssten sie die ja auch noch mitnehmen. Gerade bei Menschen, die so viel haben, denen es in ihrem Leben an nichts fehlt, kann ich diese Haltung nicht nachvollziehen. Menschlichkeit wäre das Gebot der Stunde.

Heinz G. Konsalik – Der Wüstendoktor

Wuestenpflanze(c)olga meier sander/PIXELIO

In den Straßen tobten bereits die Kämpfe, Panzer sperrten die Zufahrten ab – als der Konvoi näher kam, hörte man deutlich das Knattern der Maschinengewehre und die Abschüsse von Granatwerfern und kleinen Kanonen. Dann war die Nacht da – schnell, wie wenn man einen Vorhang vorzieht, und mit dem Untergang der Sonne verflog auch die Wärme.

Wer Konsalik unbesehen als Schnulzenautor abtut, liegt nicht vollkommen richtig. Bereits 1981 erschien dieser Roman, indem erwartungsgemäß ein attraktiver Mann zwischen zwei nicht minder großartig geschilderten Frauen steht. Aber das ist nicht alles. Kulisse für die Geschichte von Dr. Ralf Vandura ist eine Revolution in Jordanien, die zwar nicht wie im Buch beschrieben, stattgefunden hat, aber jederzeit heute noch stattfinden könnte. Die Zeiten entführter Flugzeuge voll mit „unschuldigen“ Touristen mögen momentan vorbei sein, aber an den Ereignissen in Ägypten und Syrien in den vergangenen Monaten lässt sich deutlich ablesen, dass Revolutionen nahe jederzeit und überall ausbrechen können.

Die tatsächliche Liebesgeschichte entfaltet sich jedoch irgendwie frustrierend. Der Held Vandura verliebt sich in Katja Hellersen, die von ihrem Mann misshandelt wird. Sie stiftet ihn an, ihren Mann zu töten, Vandura weigert sich. Bruno Hellersen stirbt trotzdem, Vandura gerät unter Verdacht und ergreift die Flucht. In Beirut wird er vom Rebellenführer Karabasch aufgegriffen und landet als Arzt in deren Lager. Dort verliebt er sich in die Wüstenschönheit Laila, die ihn seine unglückliche Liebe zu Katja jedoch nicht vollständig vergessen lassen kann. Laila schreckt vor nichts zurück und ist dem Töten von Menschen noch weniger abgeneigt. Beide Frauen tragen Persönlichkeitsaspekte, die einem dem Leben verpflichteten Arzt, wie Dr. Vandura geschildert wird, eigentlich unangenehm sein müssten. Der Held heiratet am Schluss die Frau, die ihn bereits im ersten Buchdrittel angestiftet hat, ihren Mann zu töten. Die Revolutionärin Laila mag auch keine sehr angenehme Frau sein, aber Katja Hellersen, die ihrem Mann den Tod wünscht anstatt zur Polizei zu gehen, zeigt ebenfalls äußerst fragliche Charakterzüge. Von „happy end“ und heiler Welt kann hier also keine Rede sein.