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English Erfahrungsbericht Memoir

Caroline Eden – Cold Kitchen

CN: Tod eines Hundes (wegen Krankheit), Erdbeben, Revolution, Erwähnung Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, Holocaust, Stalingrad, Holodomor, Genozid


But despite heavy clouds, a feeling of contentment hangs in the air, coming from the kitchen’s ability to be two things at once: to be an enclosed space that effectively opens up the world through taste and flavour and imagination.

Eine Kombination aus Reise- und Küchen-Memoir musste ich mir natürlich umgehend auf die Leseliste setzen, wo das Buch dann bis vor Kurzem sein Dasein fristete. In zwölf nach den Jahreszeiten geordneten Kapiteln erzählt die Autorin Caroline Eden von ihren (beruflichen) Reisen, deren kulinarische Erfahrungen sie mit nach Hause in die eigene schottische Küche in Edinburgh bringt. Als Hundebesitzerin konnte ich mich natürlich sehr identifizieren mit den Beschreibungen ihres Hunds Darwin, der ihr in der Hoffnung auf ein Leckerli durch Küche und Vorratskammer folgt.

Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, durfte ich auch so manche Zutaten nachschlagen: goutweed (Giersch), pike perch (Zander), swedes (Kohlrübe, Wikipedia klärt mich auf: in der Wiener Küche Kohlrabi), nigella (Schwarzkümmel), cloudberries (Moltebeeren), barberries (Berberitzen), u. v. a.

Was mir besonders gut gefällt: Sie beschränkt sich nicht auf Reiseberichte und Rezepte, sie ergänzt da und dort mit kulturellen Hintergründen wie etwa einem Exkurs über Lady Agnes Jekyll, die erste Food-Kolumnistin der britischen Tageszeitung The Times. Ihr Buch Kitchen Essays wurde dort erstmals im Jahr 1922 veröffentlicht. Darin bricht sie eine Lanze für das Mitbringen des eigenen Travel Foods, eine Tradition, in der ich mich selbst gern wieder finde. Caroline Eden schlägt dafür Hillside Pasties vor, was ich eventuell auch gern probieren würde, wenn ich mir endlich eine entsprechende Küchenmaschine zulegte …

An anderer Stelle erwähnt sie die Skulptur eines Schweins von Teodors Zaļkalns, die im Latvian National Museum of Art zu sehen ist. Dieser Hinweis führte mich zu diesem Museumsbericht, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

Der Spagat zwischen Reise und Zuhause, der sich schon im Titel andeutet, geht für mich wunderbar auf. Die Autorin ist offen für die Welt, teilt ihre Eindrücke in ihrem Buch und bringt sie mit sich nach Hause. In ihrer eigenen Küche kann sie sich aber auch zurückziehen und eine Auszeit nehmen von der komplizierten und anstrengenden Welt da draußen, die heute wie zu allen anderen Zeiten viel zu viele Unmenschlichkeiten enthält.

I dig in and feel better, here in the kitchen. This enclosed space, so quiet and dark, the opposite of the noisy, confusing world outside.