Rabih Alameddine – The Angel of History

And Satan said, “Forgetting is as integral to memory as death is to life.“

Dieser Post wird ausnahmsweise wieder ein paar Metainformationen enthalten und das nicht nur, weil ich darüber hinwegtäuschen will, dass ich mit diesem Buch nicht besonders viel anfangen konnte. Während des Lesens war ich irgendwie immer gespannt, welche Katastrophe im Leben des Protagonisten Jacob sich als Nächstes entfalten würde. Am Ende war mir die Auflösung aber dann zu einfach.

You can’t forget if you don’t remember, and you can’t remember without forgetting.

Satan und der Tod setzen sich auf einen Tee zusammen, um das Schicksal von Jacob zu besprechen, an dem sie beide aus irgendeinem Grund einen Narren gefressen haben. Der titelgebende Engel der Geschichte (oder eigentlich eher der Erinnerung) ist dabei der Teufel selbst, der Jacob wieder auf seinen (?) Weg zurückführen will. Im Verlauf dieser Gespräche wird nicht nur Jacobs schwierige Kindheit im Yemen und in Ägypten enthüllt sondern auch seine Schwierigkeiten, als erwachsener Mann in der amerikanischen Gay Community anzukommen und schließlich mit dem Tod seines Lebenspartners und 5 seiner engsten Freunde umzugehen. Obwohl das Schicksal von Jacob eigentlich zu Tränen rühren müsste, fühlte ich mich unbeteiligt. Vielleicht liegt es an dem gesellschaftlich verankerten Vorurteil, dass aus einem Mann mit Jacobs Vergangenheit gar nichts anderes werden kann als das, was er geworden ist. Kann ein Mensch über seine Vergangenheit hinauswachsen, darf ein Mensch seine Vergangenheit hinter sich lassen, ohne dabei sich selbst zu verlieren? Satan bringt es auf den Punkt: Es gibt einen Moment, an dem ein Mensch sich entscheiden muss, sich entweder anzupassen oder ausgestoßen zu werden.

Gelesen habe ich dieses Buch über das nicht mehr ganz neue Angebot der Overdrive eLibrary. Zumindest für mich neu war aber die neue Libby App, die am iOS-Gerät den Zugriff auf die Overdrive eLibrary erlaubt und die alte Overdrive App ersetzt. Das große Plus dabei: es ist kein Adobe Digital Editions Account mehr notwendig, das Buch kann ohne weitere DRM-Querelen direkt in der Libby App gelesen werden. Will man hingegen auf dem Desktop (nur am Mac getestet) das ePub herunterladen, wird weiterhin Adobe Digital Editions verlangt (siehe Screenshot). Warum ich die Verwendung dieses DRM-Systems so fragwürdig und für eine Bücherei unangebracht halte, habe ich in diesem Post beschrieben und gerade schockiert festgestellt, dass das bereits über 3 Jahre her ist.

Screenshot of a dialog box with the following text: Device Compatibility Notice: The Adobe Digital Editions is required for this format on your current device. Confirm. Cancel.Die Lese-Experience mit der Libby App ist nicht 100% optimal, am Ende des Buches hatte ich ein interessantes Phänomen, dass das Buch auf einmal etwa 20 Seiten mehr anzeigte als zuvor, diese waren jedoch alle leer. Das ist dann eher ärgerlich, nicht zu wissen, ob da vielleicht noch etwas stünde oder ob das Buch tatsächlich zu Ende ist. Nach einem Neustart und ein bißchen Durchklicken durch die Kapitel war dann plötzlich die vorherige Seitenzahl wieder hergestellt. Natürlich weiß ich nicht, ob es sich dabei um einen Einzelfall handelt, es könnte auch ein Fehler in diesem speziellen Buch sein.

Ein kleines Manko ist die nicht durchgängige Verwendung der Wish List im Web Interface und in der Libby App. In der App kann ich Bücher mit Tags versehen und mir so einen Stack an Büchern anlegen, die ich gerne lesen möchte, ich kann jedoch nicht auf die Wish List zugreifen, die ich im Web Interface angelegt habe, weil das Browsen der Titel dort deutlich schneller geht als in der iOS-App.

Noch eine großartige Innovation: die Software erlaubt nun, das eBook vorzeitig zurückzugeben. Da digitale Lizenzen aus rechtlichen Gründen nur von einer bestimmten Zahl an Personen zur gleichen Zeit geliehen werden können, ist dies natürlich von Vorteil, wenn ein Buch sehr gefragt ist. Dass es sich dabei nur um eine geringe Linderung handelt für ein an und für sich in Lizenzverhandlungen zu lösendes Problem, lassen wir hier mal außen vor.

Empfehlung an dieser Stelle für die Overdrive eLibrary, die mit ihrem Angebot an englischer Literatur zumindest für mich eine Lücke abdeckt und mit der neuen iOS-App das Lesen am Applegerät wieder möglich und benutzbar macht.