Edward R. Tufte – Envisioning Information

Clutter and confusion are failures of design, not attributes of information.

Diese großartige Empfehlung habe ich aus Presentation Zen. Schon lange hat mir kein Buch zum Thema Design so sehr gefallen, dass ich es mir unbedingt für meine eigene Bibliothek wünsche.

Edward R. Tufte untersucht und kategorisiert in diesem Sammelband unterschiedliche Formen, Daten grafisch darzustellen. Er vergleicht positive und negative Beispiele und identifiziert die entscheidenden Elemente, die ein gut lesbares und für den Leser verständliches Design ausmachen. Er räumt aber auch mit vielen Missverständnissen (oder Ausreden der Designer, wenn man böse sein will) auf. Er vertritt einerseits die Ansicht, dass Daten niemals unübersichtlich und verwirrend sein können. Es ist die Aufgabe des Designers, sie übersichtlich und klar darzustellen. Das bedeutet jedoch nicht, sie dabei zu vereinfachen oder vermeintlich unnütze Teile wegzulassen. Kosmetisches Beiwerk ist per se unerwünscht. Entweder die Daten sprechen für sich oder sie haben keine Daseinsberechtigung.

Chartjunk promoters imagine that numbers and details are boring, dull, and tedious, requiring ornament to enliven. Cosmetic decoration, which frequently distorts the data, will never salvage an underlying lack of content. If the numbers are boring, then you’ve got the wrong numbers.

Es muss erwähnt werden, dass die Erstausgabe dieses Werks 1990 erschienen ist. Die dargestellten Konzepte sind jedoch zeitlos und könnten auch auf unseren heutigen Smartphones, Tablets und Smart Watches Anwendung finden. Der Autor beschreibt etwa das Problem, dass der Nutzer eines Computers ständig mit wechselnden Kontexten konfrontiert ist. Jedes Programm hat eine andere Darstellung, andere Menüs und Optionen, der Nutzer muss sich immer wieder umstellen und an die neue Umgebung anpassen. An diesem Problem hat sich seit 1990 kaum etwas verändert (außer vielleicht die Kompetenz der Computernutzer, sich auf diese wechselnden Kontexte einzustellen).

In user interfaces for computers, a problem undermining information exchange between human and software is „constant context switches. By this we mean that the user is not presented with one basic display format and one uniform style of interaction, but instead, with frequent changes. … This means that users constantly have to adjust to a changing visual environment rather than focusing on the data.“

Allein schon wegen der vielen Beispiele zur Gestaltung von Fahrplänen und Routen von Zügen möchte ich mir dieses Buch gern ins Regal stellen. Besonders die japanischen Beispiele sind optisch sehr elegant gelöst, die Leserichtung eröffnet hier deutlich andere Möglichkeiten als wir sie aus europäischen Verhältnissen kennen. Eine Empfehlung für alle, die sich in irgendeiner Form mit Daten und Grafik beschäftigen (müssen)!