Marie Tièche – Mein Jahr am Nordpol

Kinnvika brachte Klarheit. Das Leben hier gefiel mir, und ich wollte zumindest die Essenz davon in mein zukünftiges Leben hinüberretten.

Wie sich wieder mal zeigt, schreibt das Leben die interessantesten Geschichten (oder auch nicht). Meine Faszination für extrem kalte Wetterbedingungen (begonnen mit Die Schrecken des Eises und der Finsternis) hat mich zu diesem Werk greifen lassen, weil ich mir eine neue weibliche Perspektive auf das Thema erhofft hatte. Erst auf den letzten Seiten stellte ich mit Sicherheit fest, dass ich einen Erfahrungsbericht vor mir hatte. Die Autorin beschreibt ihre Zeit in Kinnvika und vor allem die Rückblenden in ihr Leben davor in derart blumigen Worten, dass ich schlicht davon ausging, ein träumerisches Fantasiewerk vor mir zu haben. Doch die Forschung ihres Begleiters Hauke Trinks hat sogar ausreichend Relevanz für einen Eintrag in der deutschen Wikipedia. Die Autorin beschreibt im Detail den Entscheidungsprozess, der sie zum Umkrempeln ihres Lebens geführt hat, die Vorbereitungen auf die Reise und schließlich die täglichen Belange ihres Lebens in dieser abgeschiedenen winterlichen Einöde. Zweifellos eine prägende Erfahrung.