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Roman

Øivind Hånes – Permafrost

CN (möglicherweise unvollständig): Krieg, Tod, Kälte, unfassbare menschliche Grausamkeit


Diesen Post schreibe ich mit noch mehr Verspätung als üblich. Die letzten Wochen waren von einer extrem hohen Arbeitsbelastung und einer privaten Ausnahmesituation überschattet. Jetzt hoffe ich, dass sich alles wieder einpendelt.

Trotzdem erinnere ich mich an das Buch, weil es eine wirklich grausame Kriegsgeschichte enthält. Nach dem Tod seiner Mutter finden Jonas und seine Schwester Hinweise auf den verschwundenen, totgeglaubten Vater, die die Mutter geheim gehalten hat. Jonas reist in die Taiga, um den Spuren nachzugehen.

Warum hat sie es ihnen verschwiegen? Warum hat ihre Mutter ihnen nicht erzählen wollen, was sie wusste? Aber wenn sie es getan hätte, wäre er jetzt nicht hier.

Er trifft dort die Lehrerin Olga, deren Familie ebenfalls eine komplexe Geschichte durchlebt hat. Zwischen Jonas’ Suche nach den Spuren seines Vaters im früheren russischen Gefangenenlager wird eine Episode mit Gefangenen auf einem Transportschiff erzählt, das im Eis stecken bleibt. Es kommt zu einer unfassbaren Grausamkeit, die mir noch immer den Atem stocken lässt, weil sie durchaus wahr sein könnte.

Das Seelenstoffbassin, all das, was dort beginnt, wo die Geschichte endet. Aber dieser Mensch, der ihm den Rücken zuwendet, ist der noch da? Schwer zu sehen, jetzt, der Wagen ist so fern. […] Vielleicht ist es nur ein Schatten, weiß er das nicht mehr? Deshalb konnte er ja nicht brennen.

Neben dem tatsächlichen Geschehen wird ausführlich Jonas’ komplexes Innenleben geschildert. Seine Gedankenströme springen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herum. Der Autor arbeitet teilweise mit wilden Metaphern, um das Gefühlschaos verständlich zu machen. Es ist ein schwieriges, ungewöhnliches Buch.