Laura Schwerzmann – Kleingärten

Das urbane Gärtnern ist Trend und Gegenwelt.

Auch dieses Buch entstammt (wie der letzte Blog Post zum Thema Solidarische Ökonomie) einer Idee, der ich kurzfristig nachrecherchiert habe, bis jetzt aber kaum die Zeit gefunden habe, mich ernsthaft damit zu beschäftigen. Im Prinzip kann man das fast schon als Meta-Recherche bezeichnen, so weit hab ich mich inzwischen vom Thema entfernt.

Dieser Band liest sich wie eine Diplomarbeit (was es möglicherweise auch ist, die Hochschule für Technik Rapperswil, Abteilung Landschaftsarchitektur ist mit Logo auf dem Cover vermerkt). Er untersucht die Geschichte der Kleingärten in unterschiedlichen Formen in den Städten Zürich und Winterthur. Es werden sowohl die geschichtliche Entwicklung der Kleingärten (wie so vieles begann diese zur Zeit der Industrialisierung) aber auch neue Formen des Urban Gardening thematisiert.

Der Zeithorizont entscheidet stark mit, wie die Gärten sich entwickeln. Sind es temporäre Gärten, werden Gefässe bepflanzt und kurzlebige Pflanzen gewählt. Ist der Garten dauerhaft geplant, kann eine parkähnliche Anlage entstehen.

In den beschriebenen Schweizer Städten entstehen moderne Gemeinschaftsgärten (in Abgrenzung von traditionellen Kleingärten, in Österreich Schrebergarten genannt) meist als Zwischennutzung auf Flächen, die zur Bebauung vorgesehen sind. Damit bleiben die Projekte temporär, die Hochbeete müssen abgebaut und transportiert werden können. Eine langfristige Bindung der Teilnehmer an das Projekt ist somit auch nicht möglich.

Meist hat jede Person oder Familie ein eigenes Beet, das sie selbständig bepflanzen kann, daneben gibt es Gemeinschaftsflächen wie beispielsweise einen Kräutergarten oder Frühbeete, die von allen gemeinsam gepflegt werden.

Als eigener Gartentyp wird der interkulturelle Garten besprochen. Hier geht es nicht nur um die klassischen Garten-Vorteile Bewegung und Beschäftigung an der frischen Luft und die Herstellung von Nahrungsmitteln sondern vor allem um den Austausch mit anderen Menschen. Solche interkulturellen Gärten werden oft mit Sprach- oder Kochkursen und anderen gemeinschaftlichen Angeboten angereichert, um den Austausch entsprechend zu fördern.

Wie intensiv ein interkultureller Austausch stattfindet, hängt stark von dem Mass an aktiver Auseinandersetzung mit den Mitgärtnern vor dem Hintergrund des Gartens ab. Je mehr Austausch mit Aktivitäten gefördert wird, umso erfolgreicher ist also ein interkultureller Garten in seinen spezifischen Zielsetzungen.

Auch der regionalen Vertragslandwirtschaft, wie ich sie aus den Erzählungen der Kaltmamsell über das Kartoffelkombinat kenne, ist ein Kapitel gewidmet. Dabei organisiert ein Verein oder eine Genossenschaft den Anbau von Gemüse, das dann an die Abonennten verteilt wird. Im Kartoffelkombinat wird auch der gemeinschaftliche Aspekt betont, die Abonennten helfen etwa beim Packen der Ernteanteile oder beim Einkochen von Sugo für die kalte Jahreszeit.

Zum Abschluss liefert die Autorin Argumentationshilfen über die Vorteile von städtischen Gartenprojekten. Der Trend zum Urban Gardening ist zwar nicht mehr neu, hat aber vermutlich seinen Zenit noch nicht erreicht. Jedes Fleckchen Grün in der Stadt ist zu begrüßen.