CN: toxische Beziehung, Drogenkonsum, sexuelle Handlungen
Ein Blurb wie auf dem Cover dieses eBooks lässt mich normalerweise milde lächeln: ‘You will read it in one sitting.’ Tatsächlich habe ich es dann an einem Tag gelesen, aber es waren zwei Sittings. Es ist eigentlich auch eine Novelle und kein Roman. Nichtsdestotrotz habe ich schnell gelesen und das war in gewisser Weise auch eine Schwierigkeit, „wegzuschauen“. Und das meine ich im Sinne von „wegschauen von einem Unfall“, denn als das könnte die hier beschriebene (aus meiner Sicht toxische) Beziehung irgendwie auch verstanden werden. Für viele andere Leser:innen war es aber ein Erkennen, ein Finden auf der Suche nach sich selbst, nach der eigenen Identität.
Dieses Buch ist mir auf LitHub begegnet, wo die Autorin beschreibt, wie sie ihre Autorinnenschaft in ihrem Dating-Profil erwähnt und welche Begegnungen und Gespräche sich daraus ergeben. Im Buch beschreibt sie (unklar wie vieles davon autobiografisch), wie die Protagonistin ihre sexuelle Orientierung in Frage stellt. Das geschieht unter anderem im Rahmen einer (sich für mich sehr toxisch anfühlenden) Beziehung zu einer älteren Frau namens Finn. Es bleibt immer klar, dass Finn in einer Beziehung mit einer anderen Frau lebt (stets nur girlfriend genannt). Was zwischen der Protagonistin und Finn abläuft (und das ist verdammt viel Sex), muss immer geheim bleiben. Es wird von ungezählten Textnachrichten und E-Mails erzählt; eine Kontaktflut, die für meine Maßstäbe allein schon zutiefst problematisch erscheint. Wie kann das auch noch funktionieren, wenn eine der beteiligten Personen in einer Beziehung ist und diese Nachrichten geheim halten muss? Ich will mir nicht anmaßen, Übertreibung zu unterstellen, ich bin in dieser Hinsicht einfach komplett anders gepolt. Ich brauche keinen regelmäßigen (nicht mal täglichen) Kontakt mit meinen Herzwesen, um mir ihrer sicher zu sein.
Laut der deutschen Wikipedia wurde diese 2014 erschienene Novelle „zu einem Kultklassiker der queeren Literatur“. Im Nachwort des Buchs beschreibt die Autorin die vielen Kontakte, die sie mit Leser:innen hatte, die sich selbst in der Geschichte wieder gefunden haben. Schon allein deshalb ist dieses Buch wichtig: ein Buch, das Repräsentation gibt, wo vorher keine war. Wo sich Menschen in ihrer Unsicherheit über ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität gesehen fühlen können. Für mich hat es diese Wirkung nicht erzielt, aber ich kann nachvollziehen, welchen Effekt es auf andere Menschen haben kann.