Gretchen Rubin – The Four Tendencies

2011 hatte ich bereits The Happiness Project gelesen (und irgendwann später nochmal) und damals ein gewisses Maß an Sympathie für die Autorin empfunden, die ihr Privatleben so schamlos in einem Buch über Gewohnheiten (hat jemand bessere Vorschläge für eine Übersetzung des englischen habits?) und wie man sie verändert oder beibehält ausschlachtet. Nun hat sie ihre eigenen Erkenntnisse und die Reaktionen anderer Menschen auf dieses Projekt genutzt, um daraus ein pseudowissenschaftliches personality framework zu entwerfen, das alle Menschen in 4 Kategorien einsortiert. Das Unterscheidungskriterium ist dabei, wie jeder Einzelne auf innere und äußere Erwartungen (expectations) reagiert. Hier die 4 Typen in Kürze:

Upholder: kommt mit inneren und äußeren Erwartungen problemlos klar, tut einfach, was zu tun ist, reagiert mit Unverständnis, warum andere Leute das nicht auch können.

Questioner: widersteht äußeren Erwartungen und kommt mit inneren Erwartungen gut klar, hinterfragt alles und will immer ganz genau wissen, warum etwas so gemacht werden soll, wenn das aber klar ist, schreitet der Questioner zur Tat.

Obliger: erfüllt äußere Erwartungen, hat aber Schwierigkeiten, Erwartungen an sich selbst einzuhalten, dieser Mensch braucht einen Partner zum Sport, weil er nicht in der Lage ist, für sich selbst etwas Gutes zu tun, weil er immer das Wohl seiner Mitmenschen vor sein eigenes stellt.

Rebel: widersteht allem, will sich an nichts binden, bricht Regeln, nur um sie zu brechen und kann daher sogar selbst aufgestellte Regeln nicht einhalten.

Aus dieser kurzen Beschreibung ist deutlich zu erkennen, dass es sich hier um sehr extreme Persönlichkeitstypen handelt. Natürlich gibt es Überschneidungsbereiche. Die Autorin meint, sie könne jeden Menschen eindeutig einem Typ zuordnen, mir ist das bei mir selbst nach zweimaligem Lesen der in Frage kommenden Typen nicht gelungen. Das Quiz dazu fühlt sich an wie ein Beziehungstest im Bravo. Natürlich muss die Autorin selbst vollständig überzeugt von ihrem Konzept sein, sonst hätte sie wohl kaum ein Buch darüber schreiben können. Da eine wissenschaftliche Untersuchung des Konzepts noch aussteht, bin ich weiterhin der Ansicht, dass es Menschen gibt, die sich an den Schnittpunkten der Kategorien befinden. Vielleicht verschwimmen die Tendenzen auch mit zunehmendem Alter, wenn Menschen (egal wie) gelernt haben, mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen umzugehen.

Das Buch enthält bestimmt einige Anregungen, wie man mit sich selbst, seinem Partner oder anderen nahestehenden Menschen besser umgehen lernen kann – soweit diese sich eindeutig einer der Kategorien zuordnen lassen. Meine (hoch gesteckten) Erwartungen hat es leider nicht erfüllt.