Heather Harpham – Happiness: The Crooked Little Road to Semi-Ever After

She was an older woman with cobalt eyes, and no children, who gave her maternal love to all. Could I be that?

In den Parnassus Books Empfehlungen tauchen immer wieder Beispiele aus dem Memoir-Genre auf. Mir ist das erst letztes Jahr bewusst aufgefallen, es erscheint mir aber noch immer, als sei das eher ein Element amerikanischer Kultur und im deutschsprachigen Raum kaum präsent. Oder suche ich nur an den falschen Stellen? Hat jemand Empfehlungen für original deutschsprachige Beispiele aus dem Memoir-Genre?

Das obige Zitat stammt aus den ersten Kapiteln, in denen die Autorin Heather noch damit ringt, wie sie mit der überraschenden Schwangerschaft umgehen soll. Der Kindsvater kann sich ein Leben mit Familie nicht vorstellen. Heather entscheidet sich für das Kind und die Trennung. Nach der Geburt wird eine undefinierbare Krankheit festgestellt. Lange Zeit ist nicht klar, wie dem Baby zu helfen ist, ob es überleben wird. Eine Unsicherheit, mit der die Eltern für Jahre werden leben müssen.

It wasn’t that he didn’t want to be there; it was that he had to be there als who he was.

Die Autorin beschreibt also ihren eigenen Weg und teilt ihre Erfahrungen als Mutter, die schon während der Schwangerschaft allein ist, als Mutter eines kranken Kindes, als Mutter, die dem Vater erst wieder Platz einräumen muss. Später als Mutter eines schwer kranken Kindes, das mit dem Tod ringt, und auch als Mutter, deren Kind überlebt hat, während andere Mütter ihre Kinder verloren haben. Sie beschreibt, wie die Sorge um das kranke Kind alle anderen Gefühle verdrängt, wie darunter die Beziehung zum Geschwisterkind und zum Kindsvater leiden.

Any kind of life, if you live it long enough, becomes routine.

Es sind persönliche Erfahrungen, die die Autorin teilt, vielleicht macht diese Tatsache das Buch so mitreißend und gleichzeitig beängstigend. Es erlaubt dem Leser einen Blick in die Gefühlswelt einer Situation, die die meisten Menschen selbst nicht erleben (müssen). Es erinnerte mich an die vielen anderen Leben, die für jeden von uns möglich gewesen wären, für die wir uns jedoch nicht entschieden haben. Manche davon sind verloren, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Viele andere sind jedoch immer noch möglich.

Hansjörg Schertenleib – Nachtschwimmer

Zwei jugendliche Liebende. Die eine mit einem offensichtlichen Problem (ihre prekären Lebens- und Familienverhältnisse), das sich als wesentlich ernster herausstellt, als zuerst klar ist, der andere mit einer tiefer liegenden Krise (Schuldgefühle wegen des Unfalltods des kleinen Bruders).

Gibt es einen Moment, in dem eine Entscheidung einfach unausweichlich wird? Oder ist es eigentlich jeden Tag eine neue Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben? Oder ist es erst eine Entscheidung, wenn die Entscheidung für das Gehen ausfällt?